Berliner Testament & gesetzliche Erbfolge
Vorteile und Nachteile, sowie Tipps zur Absicherung

Ein klassisches Berliner Testament ist nicht für jedes Ehepaar das richtige Mittel zur Regelung des Nachlasses. Besonders bei Erbfällen mit einseitigen Kindern, welche unter Umständen möglichst wenig erhalten sollen oder Ehepaaren, bei welchen die Bevorzugung und Begünstigung eines Kindes droht, ist ein Berliner Testament oftmals die falsche Wahl.

Doch um die eigene Nachfolge passgenau planen zu können, ist es erforderlich, die gesetzlichen Erbfolge sowie die Regelungen zum Pflichtteilsrecht zu kennen.

Gesetzliche Erbfolge

Die Regelungen der gesetzlichen Erbfolge im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) stammen zum Großteil noch aus dem Jahre 1900 und sind somit in den meisten Familienkonstellationen nicht mehr zeitgemäß. Dies betrifft insbesondere Geschiedene, mehrfach Verheiratete oder nichteheliche Lebensgefährten.

Gesetzliche Erbfolge: 1. Ordnung

Grundsätzlich wird der Erblasser von seinen Abkömmlingen beerbt. Hat ein alleinstehender Erblasser also zwei Kinder (eheliche ebenso wie nichteheliche und adoptierte) so werden diese Miterben zu je 1/2. Diese teilen sich den gesamten Nachlass des Verstorbenen.

Gesetzliche Erbfolge: 2. Ordnung

Verwandte 2. Ordnung sind die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge. Diese erben nur, wenn keine Erben der ersten Ordnung mehr vorhanden sind. Nur wenn keine Eltern mehr vorhanden sind, erben die Geschwister. Wenn auch diese verstorben oder nicht vorhanden sind, die Nichten und Neffen des Erblassers.

Sind auch keine Erben der 2. Ordnung vorhanden, so erben die Verwandten der 3. Ordnung, d.h. Großeltern und deren Abkömmlinge (Onkel, Tanten, Cousinen, Cousins).

Sind überhaupt keine Verwandten mehr übrig oder schlagen diese alle die Erbschaft aus, so erbt der Staat.

Ehegattenerbrecht – Erbrecht für Verheiratete und Lebenspartner

Ist der Erblasser verheiratet oder verpartnert, so steht dem Partner ein gesetzliches Erbrecht zu. Diese Erbquote variiert, je nachdem welche sonstigen Verwandten noch vorhanden sind und in welchem Güterstand die Eheleute sich befunden haben:

Güterstand Neben 1 Kind Neben 2 Kindern Neben 3 Kindern
Zugewinngemeinschaft 1/4 + 1/4 1/4 + 1/4 1/4 + 1/4
Gütertrennung 1/2 1/3 1/4
Gütergemeinschaft 1/4 1/4 1/4

Haben die Ehegatten (verheiratet im Güterstand der Zugewinngemeinschaft) keine Kinder, so erbt der Überlebende grundsätzlich mit einer Erbquote von 3/4, den Rest teilen sich die Eltern/Geschwister des Erblassers. Nur wenn weder Verwandte der ersten oder zweiten Ordnung noch Großeltern des Erblassers vorhanden sind, erbt der Ehegatte als Alleinerbe.

Der „Voraus“ des Ehegatten

Darüber hinaus steht dem Ehegatten als gesetzlicher Erbe der sog. „Voraus“, § 1932 BGB zu. Er erhält neben Verwandten der zweiten Ordnung oder neben den Großeltern die zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände, soweit sie nicht Zubehör des Grundstücks sind, sowie die Hochzeitsgeschenke. Ist er gesetzlicher Miterbe neben Abkömmlingen des Erblassers erhält er nur diese Gegenstände, soweit sie zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt werden. Das sind zum Beispiel die Einrichtung der gesamten Wohnung, Gegenstände des täglichen Gebrauchs, nicht aber Luxusgegenstände wie z.B. Gemälde. Entbehrliche Luxusgegenstände erhält der Ehegatte nur, wenn keine Abkömmlinge des Erblassers mehr vorhanden sind.

Rechtsanwalt Lauck aus Dresden empfiehlt daher zur Absicherung des Ehegatten – insbesondere um eine Auseinandersetzung mit mehreren Erben zu vermeiden – die Errichtung eines Testaments.

Gemeinschaftliches Testament (Ehegattentestament)

Ehegatten oder eingetragene Lebenspartner können auch in einem gemeinschaftlichen Testament letztwillige Verfügungen treffen. Bei Laien besonders bekannt ist das sog. Berliner Testament.

Was ist ein Berliner Testament?

Das Berliner Testament ist eine beliebte Form des gemeinschaftlichen Testaments: Stirbt einer der beiden Partner, so erbt der andere das gesamte Vermögen, die Kinder werden als Schlusserben eingesetzt.

So weit, so eindeutig. Doch die Fallstricke liegen im Detail. Kann der überlebende Partner das Testament auch allein an eine veränderte Realität anpassen? Und wie ist die Rechtslage, wenn er nach dem Tod des anderen eine neue Ehe eingeht?

Vor- und Nachteile

Das Berliner Testament bietet für klassische Familiengestaltungen – auf den ersten Blick – einfache Lösungen an. Doch der Schein trügt in der Regel: in vielen Fällen ist ein kurzes – auch juristischen Laien bekanntes – Berliner Testament nicht ausreichend um die Ziele der Ehepartner zu erreichen. In manchen Fällen führt eine solche Testamentsgestaltung sogar zu nachteiligen Auswirkungen:

Wohlhabende Familien

Gerade bei wohlhabenden Familien führt das Berliner Testament zu einer unnötig hohen Steuerlast. Denn zunächst erhält der Ehepartner das gesamte Vermögen des Erblassers und muss dieses ggf. versteuern. Wenn auch der zweite Ehegatte verstirbt, erhalten die Kinder das Vermögen beider Elternteile insgesamt. D.h. sowohl das ursprüngliche Vermögen des Erstversterbenden, als auch das eigene Vermögen des Letztversterbenden müssen – bei Überschreitung der Freibeträge – versteuert werden.

In solchen Fällen sollte zur Vermeidung von unnötigen Steuerzahlungen ein passendes Testament errichtet werden – falls erforderlich auch in Kombination mit einem Gesamtkonzept z.B. zur lebzeitigen Übertragung von Grundstücken.

Pflichtteilsrisiko beim Berliner Testament

Das Berliner Testament führt darüber hinaus im ersten Erbfall automatisch zu einer Enterbung der Abkömmlinge. Pflichtteilsberechtigte Abkömmlinge können daher in einem solchen Fall ihren Pflichtteilsanspruch geltend machen. Der überlebende Ehegatte, der kraft Testaments Alleinerbe des Erstversterbenden wird, ist also den Pflichtteilsansprüchen dieser Abkömmlinge ausgesetzt. Sind die Abkömmlinge zu Schlusserben des Überlebenden eingesetzt, so können sie nach dem Tod des Erstversterbenden ihren Pflichtteil verlangen und bleiben trotzdem Schlusserben nach dem überlebenden Ehegatten.

Um dies zu verhindern, können vielfältige Regelungen, z.B. unterschiedliche Pflichtteilsstrafklauseln, in Ihrem Testament getroffen werden.

Expertentipp Ihrer Rechtsanwälte aus Dresden:

Ein Ehegattentestament sollte in aller Regel mit einer Pflichtteilsstrafklausel versehen werden. Diese kann die Geltendmachung des Pflichtteils mit einer Enterbung im zweiten Erbfall bestrafen. Mindestens aber sollte der geltend gemachte Pflichtteils auch nach dem Tod des zweiten Ehepartners auf das Erbe angerechnet werden. Denn - anders als viele denken - geschieht eine solche Anrechnung nicht von allein!

Tipps Ihrer Dresdner Fachanwälte für Erbrecht

Viele Ehepaare errichten zudem Ihre Testamente auf Grundlage von frei erhältlichen, zumeist knappen Mustern. Diese gehen in der Regel nicht auf die besonderen Gegebenheiten der jeweiligen Familie ein, sodass die Ziele der Ehepartner nicht (ausreichend) abgedeckt werden.

Durch ausführliche Regelungen stellen wir sicher, dass Ihr Wille auch nach Ihrem Tod noch deutlich ist und beachtet wird. Ob durch Pflichtteilsstrafklauseln, Übernahme- oder Teilungsregelungen, Wiederverheiratungsklauseln oder Anfechtungsverzicht, Supervermächtnis oder Testamentsvollstreckung – wir sorgen dafür, dass Ihr Testament keine wichtigen Fragen offen lässt.

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